Textprobe – Hafermäuschen und die schwarze Anna

Kapitel 1                    Aufregung im Mäusereich

Hafermäuschen schlug die Augen auf. Ein vorwitziger Sonnenstrahl hatte den Weg durch die Dielenbretter gefunden und die empfindliche Nase gekitzelt. Schnell strich es mit den Pfoten die Barthaare glatt, zuckte erst mit den Ohren und ließ dann das Schwänzchen schwungvoll über den Boden gleiten.

„Hmm, habe ich einen Hunger. Ob Mama schon das Frühstück fertig hat?“

Hafermäuschen lebte mit seinen Eltern – Frau Hafer und Herrn Maus – als Untermieter im Haus von Meister Karl und seiner Frau Ursi. Die Wohngemeinschaft funktionierte ganz prächtig. Familie Hafermaus sammelte nach dem Frühstück die Krümel vom Teppich und achtete darauf, bei Tage nicht zu offensichtlich in Erscheinung zu treten. Wenn  Karl und Ursi zu Bett gegangen waren, gehörte die Wohnung den Mäusen und sie konnten nach Herzenslust herumtollen und  auf die Möbel klettern. Hin und wieder schimpfte Ursi ein bisschen, wenn sie das Trapp-Trapp von Mäusepfoten  hörte. Doch die beiden waren sehr tierlieb und bis jetzt war noch niemals eine Mausefalle aufgestellt worden.

Die kleine Hausmaus flitzte unter dem Dielenboden zur Küche.

„Hast Du gut geschlafen, mein Schatz?“

Mutter Hafer gab ihrem Hafermäuschen einen Kuss.

Ihr wisst ja bestimmt, wie Mäusemütter ihre Kinder küssen? Sie reiben dann ihre schwarzen Nasen aneinander, erst einmal rechts und dann einmal links und zum Schluss gibt es noch einen kräftigen Nasenstüber.

Aber Hafermäuschen wollte heute gar nicht lange kuscheln. Die Sonne schien so schön und im Garten warteten bestimmt schon seine Freunde, die dicke Amsel Berta und Ingo, der Igel, der erst vor ein paar Tagen nach dem langen Winterschlaf aus seinem Nest gekrochen war.

Blitzschnell war der Frühstücksteller blankgeputzt.

„Kann ich jetzt raus zum Spielen?“

Aufgeregt zuckte der lange rosige Mäuseschwanz. Im Garten von Karl und Ursi gab es herrliche Verstecke und Ingo hatte versprochen, ihm das Hummelnest im Schuppen zu zeigen.

„Aber ihr bleibt im Garten in der Nähe, ja?“

„Na klar, machen wir, Mama.“

Und bevor Mutter Hafer noch weitere Ermahnungen mit auf den Weg geben konnte, war das Hafermäuschen schon unter dem Dielenboden hinaus zum Flur und durch den breiten Türspalt ins Freie gewischt.

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